Jens-Peter Bonde
geb. am 27. März 1948 in Aabenraa, Dänemark, ist dänischer Politiker, war von 1979 bis 2008 Mitglied des Europäischen Parlaments und Parteivorsitzender der dortigen Unabhängigkeit/Demokratie-Gruppe. Sein politisches Testament: Sechzig Bücher auf Dänisch und Englisch und eine eigene Partei, die Junibewegung (JuniBevægelse). Sie soll der Kern einer europäischen Partei, der EU-Demokraten werden.

Bonde gilt als Spezialist für Europäische Verfassungsfragen und wird ernst genommen. Als die EU-Regierungschefs den Lissabonner Vertrag beschlossen, stellten Bonde und seine Mitarbeiter in mühsamer Kleinarbeit aus den verstreuten Texten und Einschüben eine lesbare Version zusammen. Der Vertrag war absichtlich unverständlich gehalten, damit ihn die EU-skeptischen Briten nicht ablehnen. Irgendwie macht Bonde immer die Arbeit derer, die er gerade bekämpft. "Ich bin gegen diesen Vertrag," sagt er, "aber ausgerechnet ich musste ihn lesbar machen, damit die Leute wissen, worum es geht."

Nachfolgend einige Zitate von Jens-Peter Bonde aus einem Interview für die Kronen Zeitung am 19. 10. 2007 über den EU-Vertrag von Lissabon

Zur Demokratie in der EU:

„In 19 Bereichen bekommt das Parlament mehr Einfluss, aber in 68 Punkten bekommt die Kommission mehr Macht. Hinter verschlossenen Türen macht sie mit den Beamten Gesetze. Ist doch absurd: Um in die EU zu kommen, muss ein Land eine Demokratie haben, innerhalb der EU gibt sie sie dann aber auf.“

Zur Entmachtung der nationalen Parlamente: „In einer Fußnote hat man im neuen Vertrag versteckt, dass EU-Recht vor Nationalrecht geht.“

Zur Neutralität Österreichs:

„Neutralität kann es innerhalb einer Militärallianz nicht geben. Es besteht eine Beistandspflicht, eine gemeinsame Armee, in der Österreich dabei ist. Wie soll man da neutral sein? Das ist nicht möglich.“ Zu Ausnahmen von Kriegseinsätzen: „Österreich kann das nicht, aber Dänemark kann es! Wir haben eine Ausnahme verhandelt. Das habe ich eigentlich auch nie verstanden, dass Schweden, Irland und Österreich als neutrale Länder keine militärische Ausnahme wie Dänemark gefordert haben.“

Und: „Kriege kommen ja nicht mehr von Erklärungen. Man beginnt mit einem Einsatz zum Schutz der Zivilbevölkerung in einem Krisengebiet (wie z. B. im Tschad, Anm. d. Red.), dann wird man beschossen und schießt zurück.“

Seine Vision von einem idealen Europa:

„Eine wirtschaftlich und sozial einige Staatengemeinschaft, die jedoch nicht versucht, eine Kriegsmacht zu sein. Diese Verfassung wäre die erste und einzige auf der Welt, die eine Aufrüstung vorschreibt!“

Und: „Ich bin für ein Europa der Demokratien, ich möchte gar nicht Vaterländer sagen. Was jetzt passiert, empfinde ich als einen Euro-Nationalismus, der sich weniger um die wesentlichen Probleme der Bürger als um Total-Reglementierung kümmert.“