Senator h.c. Kommerzialrat
Hon.-Prof. Dipl.-Ing. agr. Dr.
Heinrich Wohlmeyer

Der entmündigte Bürger

Ich bin über die Aussage eines Pädagogen – noch dazu aus Vorarlberg – entsetzt, da sie die Diktatur einer Minorität befürwortet, weil das Wahlvolk in Grundsatzfragen (wie dem EU-Verfassungsentwurf, Anm. d. Red.) überfordert sei. Das heißt im Klartext: Die Wissenden entscheiden, was für das Volk gut ist.

Das Beispiel der Überforderung bei der Atomenergie ist bezeichnend: Wenn sich jemand das erforderliche Orientierungswissen nicht holt (Holschuld), dann ist er natürlich überfordert.

Eine Technik zu befürworten, die
a) ob ihrer Gefährlichkeit unversicherbar ist (alle Atomkraftwerke haben staatliche Haftungsbeschränkungen – auch in der nahen Schweiz),
b) die Entsorgungsfrage bezüglich der verbrauchten Brennstäbe und der ausgedienten Anlagen nicht gelöst hat,
c) auf einem endlichen und unsicher verteilten Brennstoff aufbaut und
d) eine anwendet (eine Dampfturbine mit 40% Wirkungsgrad wird an ein gefährliche atomares Feuer angehängt und 60% der Energie werden in den riesigen Kühltürmen vernichtet, weil die Abwärme wegen der gebotenen Entfernung von den Siedlungen nicht genutzt werden kann. Letzteres bedeutet auch ist nicht rechtfertigbar.

Wer den ursprünglichen EU-Verfassungsentwurf studiert hat, war bestürzt, was da an Interessen im Verfassungsrang festgeschrieben werden sollte, von der Agrarpolitik über die Finanzpolitik bis zur Rüstungsindustrie. Der nunmehrige Kompromiss ist den Bürgern ebenfalls nicht zugegangen und wurde mit Ihnen nicht diskutiert, weil sie überfordert seien. Dies bedeutet nicht nur die Abschaffung der Europäischen Demokratiekultur, sondern auch die Missachtung der eigenen Bundesverfassung. Auf diese Art wird die EU keine sich mit ihr identifizierenden Bürger bekommen. Außerdem sind entmündigte (für dumm erklärte und dumm gehaltene) Bürger keine stabile Gesellschaftsgrundlage.