EU, Atomkraft u. Gentechnik weiter im Kreuzfeuer
"Fünfzig Jahre Dichand'scher Journalismus lassen sich nicht auslöschen. Er lebt in uns für Euch weiter." schrieb Michael Jeannée in der Samstag-Krone und sprach mir damit aus der Seele.
Vier faszinierende Wochen lang hatte ich das Glück, fast täglich mit Hans Dichand an seinem runden Tisch zu sitzen, um mit ihm die Kampagne für eine Volksabstimmung über den EU-Vertrag zu befeuern. Im Bewusstsein der Kostbarkeit seiner Zeit war ich immer bestens vorbereitet. Deshalb waren die Gespräche meistens kurz. Dafür waren sie um so intensiver und produktiver. Und unbeschreiblich ermutigend und herzerwärmend.
Nur einmal konnte ich den großen Hans Dichand überraschen. Als er die erste Abstimmung der Iren über den EU-Vertrag als bereits verloren aufgeben wollte und ich ihm entgegnete: "Na dann brauchen wir halt eine Wunder! Ich glaube an Wunder!" Da wurden sein Augen auf einmal ganz groß und die Zeit schien plötzlich still zu stehen, bis er nach einer Ewigkeit schließlich sagte: "Na dann los!" Und der Erfolg gab uns Recht.
Als ich Hans Dichand zum letzten Mal traf, saß er nicht mehr an seinem großen, mit Leder bezogenen runden Tisch sondern an einem kleineren Tisch nahe der Tür. Seine Beine wollten nicht mehr so recht, so dass er sich bei jedem Schritt auf die Tischkante abstützen musste. Er beklagte sich aber nicht, sondern sagte nur sichtlich belustigt, dass sich seine Widersacher nun jeden Tag fragen würden, "wann der Alte endlich geht".
Neun Monate lang ließ er sie noch warten. Dann wurde es plötzlich still im 16. Stock des Kronehauses. Persönlich werden wir dem begnadeten Zeitungsmacher und großartigen Menschen dort nie mehr begegnen, und das schmerzt. Sein Geist aber lebt in uns allen weiter. Schon der Anteil in mir ist alles andere als klein. Wie groß muss da erst seine Lebendigkeit in den Herzen der riesigen, machtvollen Krone-Familie sein?!
Alle die glauben, dass jetzt alles anders wird, dass die EU-Kritik verstummt, dass Atomkraft und Gentechnik nicht mehr ins Kreuzfeuer genommen werden, dass wache und freie Geister kein Sprachrohr mehr haben oder keine Kampagnen mehr gemacht werden würden, sind Träumer. Denn in Wahrheit ist Hans Dichand niemals von uns gegangen. Er sitzt nur nicht mehr im 16. Stock, sondern ein paar Etagen höher! Hans Dichand lebt!
Karl W. Nowak
Bürgerinitiative "Rettet Österreich"
Kronen Zeitung, Das freie Wort, 22.06.2010





