BIONIERE machen Druck auf Handelsketten

Bis zu 600.000 Tonnen, die tropischen Regenwälder zerstörendes Gensoja passieren Jahr für Jahr die österreichische Grenze. Deshalb will der oberösterreichische Landesrat Josef Stockinger Anbau und Verarbeitung von Sojabohnen hierzulande forcieren. Die BIONIERE wiederum machen Druck auf die Handelsketten, endlich auch gentechnikfrei gefüttertes Geflügel in die Regale zu stellen.

Im November 2009 wollte Agrar-Landesrat Josef Stockinger eine Studie präsentieren, mit der er ein Beratungsunternehmen beauftragt hatte. „Ich habe den Auftrag erweitert. Es wird noch bis März dauern“, sagt der Politiker. Er wolle alle Möglichkeiten ausgelotet haben, bis hin zu Soja-Lebensmitteln.
Zweifelhafte Importe
Bei Soja hat Österreich Handlungsbedarf, denn jährlich werden rund 500.000 Tonnen Schrot – also der Pressrückstand aus der Produktion von Sojaöl – für die Viehfütterung importiert, zu einem hohen Anteil aus problematischen Großpflanzungen in Nord- und Südamerika. Trotz agrarischer Überproduktion in anderen Sparten führt Österreich also Pflanzeneiweiß in großem Stil ein.
Dabei erlebt die Sojabohne bei uns einen Frühling. Sie fühlt sich wegen des Klimawandels und neuer Sorten wohl. Weil die Nachfrage nach Sojalebensmitteln wächst, ist die Anbaufläche in Österreich im Jahr 2009 um beinahe 40 Prozent auf 25.000 Hektar gewachsen. In Oberösterreich wurden auf 10.600 Hektar 30.000 Tonnen Sojabohnen geerntet. „Ich rechne heuer in Oberösterreich mit 15.000 Hektar“, sagt Christian Krumphuber, der Pflanzenbaudirektor der OÖ. Landwirtschaftskammer. Relativ rasch könne ob der Enns ein Potenzial von 25.000, bundesweit von 50.000 bis 60.000 Hektar realisiert werden.
Doch viele Fragen sind offen, weshalb Landesrat Stockinger als Basis Fakten haben will. Die Sojabohne könnte in einfachen Anlagen „getoastet“ werden, womit sie für Tiermägen verträglich wird. Der Importbedarf der Viehmäster würde sinken.
Mehrwert Lebensmittel
Doch die Sojabohne ist auch Rohstoff für In-Lebensmittel, von Trinkmilch über Mehle bis hin zu Snacks. Die gesundheitlichen Vorteile gegenüber tierischem Fett und Eiweiß sind bekannt. Stockinger will diese höhere Wertschöpfung für die Bauern wie die Verarbeiter nutzen. Das Saatgut kommt von der Saatbau Linz.
Sie ist ebenso wie die Verarbeiter seit 2008 im Verein „Soja aus Österreich“ organisiert. Letztere erzeugen Sojagurt (eine Art Joghurt) ebenso wie Tofu oder Backmittel. Ein Pionier ist die Strobl Naturmühle in Linz-Ebelsberg. Die Verarbeiter nutzen aber die Bohne, während der Futtermittelsektor am Schrot interessiert wäre.
Dazu müsste die Bohne gepresst werden. Das Handelshaus Pilstl aus Raab wäre an Schrot aus gentechnikfrei (GVO-frei) erzeugtem Soja interessiert, den er noch aus Südamerika importieren muss. Karl Pilstl versorgt mit seiner Ware eine wachsende Zahl von Tierhaltern: Sie dürfen kein GVO-Soja verfüttern, weil sie etwa Biobauern sind oder weil die großen Molkereien nur noch GVO-freie Milch wollen.
Große Ölmühle nötig?
Daher müsste in Oberösterreich in eine größere Ölmühle investiert werden. „Die Studie soll zeigen, ob sich eine Investition lohnt“, sagt Stockinger: „Ich will aber eine Gesamtstrategie.“
Investieren in ein großes Pflanzenölprojekt: Das Thema ist in Oberösterreich heikel, spätestens seit die Rapsdieselanlage in Enns gescheitert ist.
Trotzdem ist die Soja-Frage zu lösen. Krumphuber: „Das Eine sollte das Andere nicht ausschließen. Soja-Lebensmittel sind trendig. Bei 50.000 Hektar Anbaufläche werden wir aber die Schiene Futtermittel brauchen.“ (Quelle: OÖ Nachrichten 5.1.2010)

Die BIONIERE handeln schon jetzt: Sie fordern die KonsumentInnen auf, bei den Supermärkten schriftlich anzufragen, ab wann sie dort auch gentechnikfrei gefüttertes Geflügel kaufen können. Denn erstens würde dieses nur ein paar Cent mehr kosten und zweiten seien es ja die Konsumenten, die letztendlich bestimmen, was in den Regalen der Handelsketten steht. Mehr darüber demnächst hier.